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Wie gayfreundlich ist eigentlich Deutschland?

15. April 2020 10:04

Über einen vergleichsweise langen Zeitraum hinweg fiel es schwer, die Anzahl der Menschen, die sich zur LGBTQ Community in Deutschland bekannten, anzugeben. Es fehlte an repräsentativen Studien und Umfragen. Verlässliche Werte wurden im Jahre 2016 ermittelt. Hier gaben circa 7,5 Prozent der Deutschen an, entweder lesbisch, bisexuell, transgender oder schwul zu sein.

Die tatsächliche Anzahl der Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht bekennen, dürfte jedoch höher ausfallen. Immer noch bestehen bei den Betroffenen häufig Hemmungen, wenn es darum geht, zu den eigenen, homosexuellen Neigungen zu stehen.

Ein möglicher Grund: der Umgang mit Gays in der deutschen Gesellschaft. Auch wenn es sich bei Deutschland um ein Land handelt, das gerade in dieser Hinsicht als vergleichsweise liberal gilt, kann nicht abgestritten werden, dass sich Schwule auch heutzutage immer noch gegenüber Vorurteilen zur Wehr setzen müssen.

Von der Straftat zum Christopher Street Day

Ein Blick auf die Geschichte unseres Landes zeigt, dass sich der Umgang mit Homosexuellen im Laufe der Jahrzehnte (zum Glück) geändert hat. Während gleichgeschlechtliche Liebe früher noch eine Straftat darstellte, wird heute auf den Straßen der Großstädte beim Christopher Street Day für Gleichheit und Akzeptanz gekämpft beziehungsweise gefeiert.

Es steht jedoch sicherlich außer Frage, dass der Weg von der Straftat zum Christopher Street Day steinig war und mit teilweise hohen Preisen bezahlt werden musste. Dennoch steht fest: Gays waren hierzulande nie so akzeptiert wie in der heutigen Zeit. Viele Menschen wissen mindestens einen Schwulen in ihrem näheren Bekanntenkreis und haben kein Problem damit, die entsprechenden Neigungen zu akzeptieren. Für die meisten Eltern steht es außer Frage, auch nach einem Coming Out zu ihrem Kind zu stehen.

Das bedeutet: die Richtung, die mit Hinblick auf das Schwulsein und die LGBTQ Community eingeschlagen wurde, ist definitiv richtig. Dennoch zeigen Diskussionen rund um Thematiken, wie zum Beispiel die Frage, ob „Frozen“‘s Elsa nicht das Recht darauf haben sollte, lesbisch zu sein, dass mit dem Ziel einer vollkommenen Gleichstellung noch ein langer Weg zu gehen ist.

Schwulenfeindlichkeit im Alltag – wie groß ist das Problem?

Direkte und offen gelebte Homophobie spielt in Deutschland in der Regel heutzutage eine eher geringe Rolle. Gay Partys, Chat für Schwule und das offene Zeigen klassischer Symbole der Szene gehören hierzulande zum Alltag.

Aber: all das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Schwulenfeindlichkeit in Deutschland kein Thema mehr wäre. Einheitliche Raster lassen sich hier nur schwer ausmachen. Unabhängig vom jeweiligen Bildungsstand, dem Wohnort und dem Alter gibt es auch heutzutage noch viele Menschen, die sich mit dem Gedanken an eine derart offene Gesellschaft nicht anfreunden können. Im schlimmsten Fall kommt es – nicht selten unter Alkoholeinfluss – zu psychischer und/ oder physischer Gewalt.

Aufklärung als Schlüssel?

Homosexuelle rund um den Globus fragen sich, wie eine noch stärkere Akzeptanz gefördert werden kann. Besonders wichtige Faktoren sind hier Bildung und Aufklärung. Kinder haben Homosexuellen Menschen gegenüber häufig weniger Vorurteile als ihre Eltern.

Der Schlüssel könnte damit in einer offenen, aufgeklärten und dennoch natürlich kindgerechten Erziehung liegen, die aufzeigt, dass intakte Familien und Beziehungen auch auf gleichgeschlechtlicher Ebene möglich sind.

Auch wenn Regenbogenfamilien jedoch auch in Deutschland von vielen Menschen noch nicht anerkannt werden, zeigt allein die Diskussion auf diesem Level und mit diesem Zwischenstand, dass Schwulenfeindlichkeit in dem Umfang von früher hier nicht mehr vertreten ist. Es lohnt sich also doch, für seine Rechte und seine Gefühle einzutreten… auch, wenn der Erfolg manchmal ein wenig länger auf sich warten lässt.

Auch interessant: Regenbogenfamilien: Das Leben in homosexuellen Partnerschaften


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